Jugendliche lernen Methoden gegen Mobbing

Jeder sechste Jugendliche und sogar jeder dritte Erwachsene ist schon einmal Opfer von Mobbing geworden. Das zeigt eine PISA-Studie aus dem vergangenen Jahr.

Um Verhaltensweisen, die auf Mobbing und Unterdrückung innerhalb einer Gruppe besser erkennen und um gruppendynamische Prozesse besser steuern zu können, haben sich Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Landkreis Aurich am Wochenende im CVJM-Heim in Westeraccumersiel getroffen. Teilgenommen haben 14-27-Jährige vom Jugendrotkreuz Aurich, dem Stadt- und Kreisjugendring, sowie dem MTV Aurich.

Zusammen mit dem Erlebnispädagogen Jan Schmale vom Verein Helden e.V. haben sie Konzepte erarbeitet, wie Gruppenleiter auch unterschwelliges Mobbing und Rassismus erkennen und einzelne Signale innerhalb einer Gruppe deuten können. Jan Schmale erklärte, dass es Schlüsselworte gibt, auf die die Gruppenleiter achten können, um die Situation, in der ein Betroffener steckt, sofort deuten zu können.

„Verantwortungsdiffusion ist die Hauptursache für Mobbing.“

 

Jan Schmale, Pädagoge von Helden e.V.

„Spricht ein Jugendlicher etwa davon, dass er über etwas erfreut ist, dann gibt das seine derzeitige Realität wieder“, sagt Schmale. „Erfreut zu sein ist temporär und auf eine Situation bezogen. Glücklich zu sein bedeutet hingegen, dass der- oder diejenige völlig zufrieden ist.“ Auf die gleiche Art können die Gruppenleiter der teilnehmenden Vereine und Jugendorganisationen andere Schlüsselwörter benutzen, um eine Situation erkennen zu können und Mobbing oder Rassismus zu erkennen.

Das Wochenendseminar begann am Freitag mit einem ausführlichen theoretischen Teil, Übungen zur Verbesserung der Gruppendynamik und sozialpsychologischen Experimenten. „Wir alle kennen den so genannten Bystander-Effekt. Jemand benötigt unsere Hilfe und alle gehen vorbei. Bleibt aber auch nur einer stehen und leistet Hilfe, schließen sich die Umstehenden meist an“, so Schmale. „In unserem Kurs wollen wir erreichen, dass die Gruppenleiter dieses Wissen weitergeben können.“

Das Erlernte wird nicht nur in den einzelnen Gruppenstunden angewendet, sondern auch ostfrieslandweit beim Einsatz der Spielekiste des JRK. Die Spielekiste ist mit Spielzeug bestückt, kann beim Jugendrotkreuz geliehen werden und wird von den Gruppenleitern betreut.

Hauke Grischek, Vorstandsmitglied des DRK Kreisverbandes Aurich, ist stolz darauf, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in so kurzer Zeit gelernt haben. „Es ist uns ein großes Anliegen, die Fach- und Sachkompetenz der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu stärken. Das gehört zu unserer Aufgabe und bereitet uns große Freude zu beobachten, wie sich die Kinder und Jugendlichen persönlich weiterentwickeln.“

Das Projekt der Erlebnispädagogik mit einer Mischung aus theoretischen, fachpraktischen und aktiven Inhalten hat der Verein Helden e.V. schon des Öfteren für Schüler auf Klassenfahrten auf den Ostfriesischen Inseln eingesetzt. Damit es so wie am Wochenende in Westeraccumersiel umgesetzt werden konnte, mussten rund 3500€ aufgebracht werden. Das Geld wurde vom Projekt des Landesjugendrings „Generation Hoch 3“ zur Verfügung gestellt, was bedeutet, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer keinen Kostenanteil leisten mussten.