Wir renovieren und gestalten unseren neuen Freizeitraum

Im „Roode Krüüz Huus“ in der Käthe-Kollwitz-Straße 8 steht uns ein ca. 40 qm großer Gruppenraum zur Verfügung. Leider konnte der bislang kaum für Freizeitangebote genutzt werden. Er war renovierungsbedürftig und wurde hauptsächlich als Abstellraum verwendet. Immer wieder wurde von den Kindern der JRK-Gruppe der Wunsch geäußert, ihn zu entrümpeln und ganz neu herzurichten. Doch das bedeutet umfangreiche Aufräumarbeiten, eine umfassende Renovierung und neue Anschaffungen – in anderen Worten: Zeit und Geld!

Doch die Motivation und Eigeninitiative der Kinder beeindruckte die Gruppenleiterinnen Lena Schwerin und Aurelia Simanjuntak so sehr, dass sie auf die Suche nach einer Fördermöglichkeit gingen. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Initiative „Mitten drin! – Jung und aktiv in Niedersachsen“ kann das Projekt nun diesen Sommer Wirklichkeit werden.

An sieben Aktions-Wochenenden im Juni, Juli und August wollen wir alle mit anpacken, die Expertise vieler Gruppenleitungen, Freunde und Profis nutzen und uns gemeinsam einen neuen Freizeitraum schaffen. Und zwar ganz nach den Wünschen der Kinder und Jugendlichen, die bei der Umgestaltung und Renovierung mitplanen können und sich dabei kreativ und handwerklich ausprobieren.

Ein neuer Frei(zeit)raum entsteht – für mehr Miteinander und Mitgestaltung

Uns ist es besonders wichtig, die Kinder bei allem mit einzubeziehen. „Gerade Kinder aus schwächeren sozialen Verhältnissen können hier erfahren, dass sie ihr Umfeld aktiv gestalten können und ihre Ideen wertvoll sind“, erklärt Gruppenleiterin Lena Schwerin. Von der Ideensammlung und Renovierung bis zur späteren Nutzung des Raumes, dürfen sie ihre eigenen Vorstellungen einbringen und mit fachkundiger Hilfe in die Tat umsetzen.

Viele Familien haben im Alltag nur wenig finanziellen und tatsächlichen Spielraum. Die Kinder  leben dann in eng begrenzten räumlichen und sozialen Verhältnissen. Unsere Jugendarbeit des JRK möchte den Kindern mit diesem Projekt ermöglichen, eigene Stärken zu entdecken, handwerkliche Komeptenzen zu erwerben und zu erleben, dass sie selbst etwas bewirken können.

Außerdem fehlte vielen Kindern in der Pandemie mit den langen Lockdownzeiten und sozialer Distanz der persönliche Kontakt untereinander und die gemeinsame Interaktion. Darum möchten wir durch unser Renovierungs-Projekt die Gruppenkontakte wieder ermöglichen. Natürlich beachten wir dabei alle Vorgaben und Empfehlungen zur Gruppengröße, Hygiene und Infektionsschutzmaßnahmen.

Bunte Wände, bemalte Schränke und selbstgebaute Möbel – Kreativität ist gefragt!

Mit einem ersten Workshop am 19. und 20. Juni ging es los. Die Gruppenleiterin Aurelia Simanjuntak und 5 tatkräftige Kids gaben dem Projekt einen Powerstart: Sie sammelten Ideen und machten gemeinsam tabula rasa. Am Ende war der Raum leer, abtapeziert, Bodenbelag und Fliesen herausgerissen. Eine Woche später wurden dann die Grundlagen für eine moderne Elektrik geschaffen, Kabel und Steckdosen verlegt. Besonders spannend war dabei die Arbeit mit der eindrucksvollen Mauernutfräse. Die teilnehmden Kinder konnten sich unter fachkundiger Anleitung als Nachwuchs-Elektriker ausprobieren.

Anfang Juli ging es dann ans Tapezieren. Mit viel Kleister und fleißigen Händen wurde die neue Tapete an die Wand gebracht. Jetzt sind die Wände perfekte Riesen-Leinwände geworden. In den folgenden Workshops haben die Teams noch viel vor. Im Workshop „Picasso 2.0“ wollen einige  Gruppenkinder und -leitungen die frisch tapezierten Wände künstlerisch bemalen. An einem anderen Aktions-Wochenende können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einer Holzwerkstatt Möbel aus Holzpaletten bauen. Dabei sollen ein Sofa und ein Tresen entstehen, damit wir im Freizeitraum später gemütlich zusammensitzen und kleine Veranstaltungen machen können.

An einem Kreativtag im August werden z. B. Dekokissen gestaltet, Schranktüren bemalt und Einrichtungsgegenstände dekoriert. Dann kommt der letzte Schliff: Mit letzten Handgriffen wird der fertig renovierte Raum eingerichtet und mit allem Notwendigen eingeräumt. Ende August soll der neue Freizeitraum eingeweiht werden, mit allen großen und kleinen Helfern und Helferinnen – soweit die Coronaregeln dies dann erlauben.

Das JRK möchte Engagement, Verantwortung und Vielfalt stärken

Bei der späteren Nutzung des Raumes können ebenfalls alle Vorschläge einbringen. So tauchte zum Beispiel schon die Idee auf, den Raum an zwei Nachmittagen pro Woche als freien Treff zu öffnen.  Auf jeden Fall soll hier Begegnung stattfinden, da sind sich alle einig. Denn auch nach den Aktions-Wochenenden soll für die Kinder und Jugendlichen vom JRK hier die Möglichkeit bestehen, ihre eigenen Ideen umzusetzen, die sie in ihrem häuslichen Umfeld nicht verwirklichen können. Schon jetzt freuen sich alle auf das gemütlichen Zusammensein in ihrem neuen Freizeitraum, den sie von der ersten Idee bis zum letzten Schliff gemeinsam geschaffen haben.

Wir sind stolz auf das große Engagement und den Einsatz unserer Gruppenkinder, die in dem Projekt trotz verschiedener Herkunft, Interessen und sozialer Hintergründe als Team zusammen aktiv werden. Das partizipative Konzept und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe sind uns als JRK besonders wichtig. Denn grundsätzliche Ziele unserer Jugendarbeit sind das friedliche Miteinander, soziales Engagement und die Vielfalt in der Gesellschaft zu fördern. Dafür engagieren wir uns z. B. in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Friedensarbeit – wenn wir nicht gerade als Hobbyhandwerker eingespannt sind.

Gefördert durch den Kinderschutzbund und das Sozialministerium

Ohne die Förderung der Initiative „Mitten drin! – Jung und aktiv in Niedersachsen“ wäre die Renovierung nicht möglich. Mit 3000 € unterstützt die Initiative des Kinderschutzbundes in Niedersachsen und des Niedersächsischen Sozialministeriums unser Projekt. Ziel des landesweiten Programms ist es, die eigenen Kräfte, Kompetenzen und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen zu stärken.

Mit den Fördergeldern von „Mitten drin!“ möchten die Geldgeber insbesondere Angebote unterstützen, die „(…) junge Menschen befähigen, sich ihre Lebenswelt aktiv anzueignen und ihr Lebensfeld aktiv mitzugestalten“. Ein wichtiges Anliegen ist ihnen die „Förderung zur Stärkung von Resilienz und Selbstwirksamkeit“. Dieses Ziel verfolgen wir gemeinsam mit unserem Freizeitraum-Projekt, in dem die Kinder und Jugendlichen ihre Fähigkeiten einbringen, neue Talente entdecken, handwerkliche Tricks lernen und erfahren, dass sie mit ihren Idee und dem eigenen Handeln auch etwas bewirken können.